
1924 geriet das Staatliche Bauhaus in Weimar infolge politischer
Gegenwirkung der thüringischen Regierung in eine Krise. Gespräche
wegen der Übernahme des Instituts wurden mit Frankfurt am Main,
Mannheim und Dessau geführt.
Walter Gropius verhandelte 1925 mit Oberbürgermeister Fritz Hesse
über die Ansiedlung des Bauhauses in Dessau. Ihm wurde nicht
nur der Bau des Schulgebäudes zugesichert, sondern auch der einer
Reihe von Wohnhäusern für Bauhausmeister.
Für das Haus des Direktors und die drei Doppelhäuser wurde
ein Gelände an der damaligen Burgkühnauer Allee in fußläufiger
Entfernung zum Bauhausgebäude gewählt. Wie beim Bauhausgebäude
war die Stadt Dessau der Auftraggeber. Die Bauhausmeister wohnten
zur Miete, die bedingt durch Größe und besondere Ausstattung
der Häuser nicht gering war.
Den Künstlern standen hier großzügige Ateliers zur
Verfügung, deren verglaste Fronten zu den bemerkenswertesten
Gestaltungselementen der Häuser gehören. Neben der Einheit
von Form und Funktion ist die intensive Farbgebung - Kandinsky und
Klee nutzten ihre Räume zu faszinierenden Experimenten mit dem
Gestaltungselement Farbe - bemerkenwert.
Mit den Meisterhäusern sollte auch eine neue Art zu wohnen demonstriert werden. Besonders das Haus Gropius wies eine Fülle bemerkenswerter Details auf, vom begehbarem Kleiderschrank über die "Heißwasser-Soda-Dusche" der Spülküche bis zum zusammenschiebbaren Doppelsofa. Auf diesem Gebiet sollte sich die damalige Voraussicht von Gropius bestätigen: "heute wirkt vieles noch als luxus, was übermorgen zur norm wird", schrieb er 1930 mit Bezug auf die Innenausstattung der Meisterhäuser.
"der organismus eines hauses ergibt sich
aus dem ablauf der vorgänge, die sich in ihm abspielen- in
einem wohnhaus sind es die funktionen des wohnens, schlafens, badens,
kochens, essens, die dem gesamten hausgebilde zwangsläufig
die gestalt verleihen.... die baugestalt ist nicht um ihrer selbst
willen da, sie entspringt allein aus dem wesen des baus, aus einer
funktion, die er erfüllen soll."
".... architektur erschöpft sich nicht in zweckerfüllung,
es sei denn, dass wir unsere psychischen bedürfnisse nach harmonischem
raum, nach wohlklang und maß der glieder, die den raum erst
lebendig machen, als zwecke höherer ordnung betrachten"
(Gropius 1930, bauhausbauten dessau)