 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
Es kommt der neue Ingenieur. Werner Graeff und Max Burchartz am Bauhaus |
 |
|
|
20.02.2010 - 18.04.2010
Meisterhaus Kandinsky/Klee
Werner Graeff (1901 – 1978) und Max Burchartz (1887–1961) befanden sich 1922 zu einer Zeit in Weimar, als die Neuorientierung des Bauhauses einen Siedepunkt erreichte: Beide nahmen teil am Kursus des niederländischen De Stijl-Künstlers Theo van Doesburg, den dieser zwar parallel zum Bauhaus veranstaltete, der die Schule aber gleichwohl beeinflusste; beide waren Mitglieder der spektakulären Kongresse der Konstruktivisten und Dadaisten in Düsseldorf und Weimar. Beflügelt von der Idee des neuen Künstlertypus „Ingenieur“, der eine bessere Welt aufbauen sollte, zogen sie nach kurzer Zeit die Konsequenz, die „freie“ Kunst völlig aufzugeben und sich angewandten Bereichen der Gestaltung zuzuwenden.
Werner Graeff kam 1921 ans Bauhaus und zählte nach seinem Studium bei Johannes Itten zu der äußerst impulsgebenden Gruppe der Bauhausstudenten um van Doesburg. Diese Zeit ist der Nukleus seiner Entwicklung zum vorwiegend konstruktivistischen Künstler. Er wurde Mitglied der niederländischen De Stijl-Gruppe und gründete mit dem Filmer Hans Richter die Zeitschrift G, in der er unter anderem die Texte „Es kommt der neue Ingenieur!“ und „Wir wollen nicht länger Analphabeten sein“ veröffentlichte. 1927 war er PR-Chef der Architekturausstellung auf dem Weißenhof in Stuttgart, er veröffentlichte die Bücher Bau und Wohnung sowie Innenräume und anschließend die Schrift Es kommt der neue Fotograf!. Seine Beschäftigung mit dem abstrakten Film intensivierte er zusammen mit Hans Richter. Graeff zählt zur Avantgarde dieser Zeit. 1934 emigrierte er nach Spanien und entfaltete auch weiterhin mit zahlreichen Aktivitäten das Werk eines äußerst produktiven Multitalents. Wie Burchartz wurde er Lehrer für Fotografie und Grafik an der Folkwang-Schule in Essen, in seinem Spätwerk widmete er sich der Malerei und der künstlerischen Gestaltung des Ruhrgebiets.
Der 14 Jahre ältere Max Burchartz kam, nach seiner Ausbildung zum Maler an der Kunstakademie Düsseldorf, ebenfalls 1921 nach Weimar. Er zählte zum Kreis der Künstler am Ort, die die Kurse von Theo van Doesburg besuchten, pflegte ein freundschaftliches Verhältnis mit Lehrern des Bauhauses und arbeitete in Buchveröffentlichungen mit ihnen zusammen. Wie Graeff nahm er an den entscheidenden Aktivitäten der elementaristischen Avantgarde teil. Und auch ähnlich wie dieser gab er seine Malerei auf. Er verschrieb sich nun ganz der Neuen Gestaltung in Typografie und Werbung. 1924 zog er aus diesem Grund ins Kerngebiet industrieller Entwicklung um: in das Ruhrgebiet und gründete in Bochum die Werbeagentur „werbebau“. Es entstand eine für diese Zeit ausgesprochen radikale Typografie. Er veröffentlichte, wie Graeff, zahlreiche programmatische Artikel in einschlägigen internationalen Fachzeitschriften und gab kunsttheoretische und -pädagogische Bücher heraus. Ab 1926 begann er, mit Unterbrechungen, seine Lehrtätigkeit an der Folkwang-Schule in Essen. Burchartz’ Kunst wird 1937 auf der Femeausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt, seine Malerei als „bolschewistische Entartung“ diskreditiert. Nach dem Krieg wurde er wiederum Lehrer an der Folkwang-Schule. 1961 starb er in Essen; posthum erschien seine Gestaltungslehre Schule des Schauens. Die Ausstellung wurde erarbeitet vom Lehrstuhl Prof. Dr. Gerda Breuer, Kunst- und Designgeschichte der Bergischen Universität Wuppertal. Es erscheinen zwei umfassende Kataloge zu den Künstlern (ca. 340 S.).
Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Unterstützung der Firma Hochtief, Essen der Stadt Dessau-Roßlau und der Stiftung Bauhaus Dessau.
|
|
 |
 |
 |
 |
|